Ernst Steinmaßl: Voller Tatkraft im Ruhestand

Ernst Steinmaßl gehört zum „Urgestein“ der Werkstätte und Wohneinrichtung in Wels. Er war 1975 beim Start der ersten Werkstattgruppe dabei und ist seit 2002 in der ersten teilbetreuten Wohngruppe in Wels. 2014 wurde Ernst 60 Jahre alt und ging in Pension. Trotz des Ruhestandes hilft Ernst im städtischen Altersheim, dem „Spitzerheim“, mit. Dieses befindet sich im selben Gebäude wie die Wohngruppe.

Wenn man Ernst am Vormittag treffen will, hat es wenig Sinn, in die WG oder in die Stadt zu gehen. Am wahrscheinlichsten findet man ihn im „Spitzerheim“. Seit seiner Pensionierung hat Ernst oft Zeit, um sich mit den Bewohnern und Mitarbeitern zu unterhalten. Durch seine Kontaktfreudigkeit und seine freundliche Art kam der Heimleiter auf die Idee, Ernst hin und wieder um Botendienste im Haus zu bitten. Ernst hatte große Freude an dieser Aufgabe und am Umgang mit den Menschen, die er dabei kennenlernte.  Das brachte den Stein ins Rollen. Derzeit übernimmt er von Montag bis Freitag, für jeweils drei Stunden, fixe Aufgaben!

Ernst´s Vormittag im „Spitzerheim“ beginnt um 8 Uhr. Er übernimmt die Post und lässt sie im Büro sortieren. Dann bringt er einen Teil in das angrenzende Haus in der Magazinstraße und fährt in den vierten Stock zum Physiotherapiesaal. Josef Baumgartner, der Physiotherapeut, hat schon den Plan für den Tag. Die Personen, die dort behandelt werden und trainieren, sind meist gehbehindert. Ernst holt sie aus ihren Zimmern ab. Viele bringt er im Rollstuhl zur Physiotherapie, oder er begleitet die Benutzerinnen und Benutzer von Rollatoren. In dem weitläufigen Gebäude verlangt das eine gute Ortskenntnis. Am Mittwoch ist besonders viel los, denn da sind auch die Friseurinnen im Haus. Ernst bringt die Personen, die den Weg nicht alleine bewältigen können, zu ihnen. Dafür bekommt er bei Bedarf einen Gratishaarschnitt.

Dreimal in der Woche isst Ernst im Heim auch zu Mittag, was sehr praktisch ist. Unlängst wurde für den Jahresbericht der Ausblick auf 2015 gemacht. Der erste und wichtigste Punkt für Ernst war, dass er gesund bleibt und noch lange im „Spitzerheim“ mithelfen kann. Jemanden wieder zu treffen, an seinem Leben teilzuhaben und helfen zu können, das sind Erfahrungen, die Ernst Freude bereiten und ihn zufrieden machen.

In seiner Freizeit nimmt sich Ernst gerne Zeit fürs Lesen, DVDs schauen oder Nachschub dafür einkaufen. Am Wochenende trifft sich Ernst neuerdings auch öfter mit Heimbewohnern zum Skip-Bo spielen. Ernst sagt: „Ich bin froh, dass ich so viele Freunde im Spitzerheim habe und mithelfen kann. Ich war auch bei der Mitarbeiterweihnachtsfeier eingeladen, und zum Geburtstag hab ich ein tolles Geschenk bekommen.“ 

[Beitrag: Johannes Reisz, Betreuer im TBW 1, Wels]