"Ton ab. Film ab. - Und Bitte!"

v.l.n.r.: Einrichtungsleiter Karl Kreisberger, Thomas Rittenschober, Mitarbeiter Stefan Wegscheider und Josef Eder

Diese Worte hörten zwei Bewohner des Wohnhauses in Mondsee im letzten Herbst einige Male. Thomas Rittenschober (42) und Josef Eder (61) durften, zusammen mit dem Wohnhaus-Mitarbeiter Stefan Wegscheider, an den Dreharbeiten zur siebten Staffel der Krimiserie „Vier Frauen und ein Todesfall“ teilnehmen. Die Ausstrahlung war im Frühjahr 2015.

Die drei waren als Komparsen hautnah dabei, als die vier Schauspielerinnen Miriam Stein, Brigitte Kren, Adele Neuhauser und Martina Poel einen Mordfall zu lösen versuchten. Die Damen spielen in der Krimiserie ein etwas chaotisches Frauenquartett, das von einem Fettnäpfchen in das nächste tappt. Ob der Mörder schließlich gefunden wird, durften unsere Komparsen aufgrund einer Stillschweigens-Klausel im Vertrag nicht verraten. Lesen Sie im folgenden Interview, was sich dennoch im Gruppeninterview aus Einrichtungsleiter Karl Kreisberger und den angehenden Fernsehstars herauskitzeln ließ:

 

Redaktion:  „Wie kam es zur Teilnahme an den Dreharbeiten?“

Karl Kreisberger (Einrichtungsleiter Wohnhaus Mondsee): „Bei einem Spaziergang  sahen einige unsere Bewohner, dass am Friedhof gerade Dreharbeiten stattfanden. Danach äußerten Thomas und Josef den Wunsch, einmal bei solchen Dreharbeiten teilnehmen zu können. Ich erfuhr von Stefan (Mitarbeiter), dass er die Chance bekam, bei Dreharbeiten in der Nähe dabei sein zu können. Ich erinnerte mich an den Wunsch der Bewohner und fragte sie, ob sie teilnehmen möchten. Thomas und Josef waren sofort begeistert. Ich habe mich dann beim Filmteam erkundigt, ob die Möglichkeit besteht, dass unsere zwei Herren mitarbeiten dürften. Für das Filmteam und auch für unsere Herren war dies eine Premiere. Aus einem vereinbarten Versuch wurden dann viele Drehtage, da alles so souverän verlief. Stefan hat auch mitgespielt. Die Drehtage dauerten teils von 17:00 Uhr bis 06:00 Uhr und das bei Nässe und Kälte.“

 

Redaktion: „Der erste Drehtag war bestimmt sehr aufregend. Habt ihr davor schlecht geschlafen?“

Thomas: „Nein, ich war nicht aufgeregt.“

Stefan (Mitarbeiter): „Thomas hat jedem erzählt, dass er mitspielen darf. Hat sich total gefreut. Josef war sehr nervös.“

 

Redaktion: „Wie oft waren die Dreharbeiten?“

Thomas: „Es waren 5 Drehtage. Da waren ca. 60 – 70 Leute am Set. Es war Oktober und ziemlich kalt. Wir sind viel herumgestanden und mussten warten. Viele andere Komparsen haben deshalb aufgegeben. Wir nicht! Im Frühjahr kommt der Film ins Fernsehen.“

 

Redaktion: „Was sagen denn die anderen Mitbewohner, Freunde, die Familie?“

Thomas: „Die finden das spannend, sind stolz.“

 

Redaktion: „Bei welchen Szenen durftet ihr mitspielen?“

Stefan (Mitarbeiter): „Aufstand am Gemeindeplatz, Demo vor der Gemeinde, Wutstand“

 

Redaktion: „Welche Kleidung wurde getragen?“

Thomas: „Eine Hose. Eine Jacke.“

Josef: „Braune Strickjacke, Schnürlsamthose, Haube.“

Stefan (Mitarbeiter): „Die Kleidung wurde von der Maske vorgegeben. Wir wurden als Bauern eingekleidet, wurden aber nicht geschminkt (nickt sichtlich erleichtert).“

 

Redaktion: „Ihr wart Bauern? Was hattet ihr zu tun?“

Stefan (Mitarbeiter): „Bei einer Szene spielten wir einen Bauernaufstand. Gemeinsam mit 20 - 30 anderen Bauern hatten wir einen Auftritt. Es gab in der Szene ein Gerangel mit dem Bürgermeister. Der hat ein paar von den Bauern kassiert. Wir forderten: ‚Wir sind wütend, her mit der Marie!‘“

 

Redaktion: „Da gab‘s ja ganz schön Action.“

Stefan (Mitarbeiter): „Ja, schon. Witzig ist übrigens, dass es beim Film gar nicht heißt ‚Und Action‘. Bei den Dreharbeiten haben sie immer gesagt ‚Ton ab. Film ab. – Und bitte!‘“

 

Redaktion: „Welche Szene hat euch am besten gefallen?“

Josef: „Alles war schön. Mir hat getaugt, dass der Thomas nass geworden ist. Möchte ich nochmals machen.“

 

Redaktion: „Warum ist Thomas nass geworden?“

Thomas:  „Da war eine Aktion mit einer Wasserkanone. Die Feuerwehr hat die Bauern bespritzt, um sie zu vertreiben. Ich durfte dabei einen Taucheranzug tragen!“

 

Redaktion: „Habt ihr auch einige Promis kennengelernt?“

Stefan (Mitarbeiter): „Es gab da ein witziges Missverständnis. Wir haben uns nach dem Dreh irrtümlich an den Tisch mit den bekannten Schauspielern gesetzt und dort mitgegessen. Wir wussten nicht, dass die Komparsen mit dem Essen erst später dran sind. Wir haben uns halt einfach dazugesetzt. – (alle lachen)

Wir haben Adele Neuhauser und Michael Ostrowski kennengelernt. Die wussten anfangs nicht, dass Leute von der Lebenshilfe mitspielen und konnten Josef nicht so recht einschätzen. Die waren dann echt verblüfft, als wir ihnen gesagt haben, dass wir von der Lebenshilfe sind. Sie haben es super gefunden, dass wir teilgenommen haben.“

 

Redaktion: „Wie fandet ihr die Dreharbeiten? Würdet ihr so etwas wieder machen?“

Josef: „Es war nicht anstrengend. Wir haben auch in der Nacht gearbeitet. Ich habe fast zwei Tage durchgearbeitet. Des taugt ma.“ (Josef arbeitet tagsüber auch in der Werkstätte.)

Thomas: „Die Staffel ist echt schräg. Ich würde das wieder machen.“

 

Redaktion: „Habt ihr die Serie schon mal im Fernsehen gesehen?“

Thomas: „Nein. Ich werde sie mir das nächste Mal aber anschauen.“

Josef: „Ich habe noch nie eine Folge gesehen.“