Ball-Kontakt am Tennisplatz

von Lebenshilfe Oberösterreich (Kommentare: 0)

Für Dominik Altmann ist der Tennisplatz ein Ort, wo er viele Leute trifft. Der Klient der Werkstätte Regau trainiert ganz normal im UTC Regau. Seine Familie, mit der er viel Zeit verbringt, ist ebenfalls im Tennisverein aktiv.

Von Kindesbeinen an verbringt Dominik Altmann viel Zeit im Tennisverein. Die ganze Familie Altmann ist hier aktiv: Mutter Rosemarie betreute das Tennisbuffet, Vater Norbert ist leidenschaftlicher Tennisspieler und auch Dominiks beide älteren Geschwister sind im UTC Raika Regau Mitglied. „Alle Vereinsmitglieder haben Dominik von klein auf gekannt und akzeptiert, so wie er ist", erklärt Norbert Altmann.

„Dass Dominik mittendrin statt nur dabei ist, war immer selbstverständlich", bekräftigt auch Roland Pumberger, Obmann des UTC Regau und seit mehr als 20 Jahren Dominiks Nachwuchstrainer. Anfangs spielte Dominik nur sogenanntes „Kleinfeldtennis". Über Jahre hinweg hat er sich das ‚große‘ Tennisfeld erarbeitet und spielt heute ganz normal in der allgemeinen Klasse.

Ein ganz normales Mitglied

Dominik ist reguläres Mitglied im UTC Raika Regau und spielt seit 2014 auch Meisterschaften. Jeden Mittwoch steht ein Gruppentraining auf dem Programm. Dominik ist zwar älter als die Teamkollegen aus seiner Gruppe, steht ihnen aber beim Niveau um nichts nach. Bei Meisterschaften der allgemeinen Klasse konnte er schon zwei Einzelbewerbe und zwei Mannschaftsbewerbe gewinnen.

Das Wettkampftraining im Verein bietet wichtige Erfahrungen für ihn. „Dominik spielt hier nicht wie im Behindertensportverband gegen andere Menschen mit Beeinträchtigung, sondern tritt ganz selbstverständlich gegen Mitglieder umliegender Tennisvereine an. Wenn er nur mit anderen Special Olympics Athleten trainieren würde, wären für das Training enorme Wegstrecken zurückzulegen", erklärt Norbert Altmann. Trainiert wird viel: Vier Mal im Jahr fahren Vater und Sohn auf Trainingscamps, zusätzlich absolviert Dominik Meisterschaftsspiele und das wöchentliche Tennistraining im Verein.

Tischtennis-Bundesmeister ohne Training

Ganz im Gegensatz zum regelmäßigen Tennistraining wird für Tischtennis nicht trainiert. Trotzdem hat Dominik Altmann mit dem Bundesmeister der B-Meisterschaft des Behindertensportverbandes seinen höchsten sportlichen Rang im Tischtennis inne. „Tischtennis trainiert er überhaupt nicht. Er gewinnt einfach", erzählt Norbert Altmann über den überraschenden Sieg. „Anfangs hatte Dominik wenig Ballgefühl. Ich bin wahnsinnig beeindruckt, wie gut er die Bälle jetzt einschätzen kann", lobt Dominiks Vater.

Titel sind Nebensache

Dass Dominik Tischtennis-Bundesmeister ist, ist ihm nicht wichtig. Ebensowenig wie sein Meistertitel im Schwimmen bei den Special Olympics World Games in Gibraltar, sein Bundesmeister im Tennis-Doppel der Special Olympics Bewerbe, sein Vizemeister im Tennis-Einzelbewerb, oder Ehrenurkunden der Gemeinden Vöcklabruck, Attnang und Regau. „Titel sind Dominik nicht bewusst. Für ihn zählt es nur, zu siegen. Und Medaillen und Pokale zu erhalten, auf die er sehr stolz ist", erklärt Norbert Altmann.

Ungewöhnliche Trainingsansätze

Zeit mit der Familie zu verbringen ist den Altmanns wichtig. Dabei herrscht ein jovialer Umgangston vor: „Sich gegenseitig etwas sekkieren gehört dazu", so Norbert Altmann. Das hilft wiederum bei Wettkämpfen, um sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Täglich wird außerdem zusammen Uno gespielt und wenn die Geschwister zu Besuch sind, messen sich die Familienmitglieder beim Mario-Kart-Fahren. „Das ist seit Jahren Familientradition und immer noch eine Gaudi", so Norbert Altmann. Dabei wird auf amüsantem Weg Dominiks Reaktionsfähigkeit und Kampfgeist trainiert. „In Millisekunden muss man sich entscheiden und bei uns geht’s hier immer um alles", erklärt Norbert Altmann schmunzelnd.

Den Ehrgeiz, gewinnen zu wollen, nimmt Dominik vom Wohnzimmer auf den Tennisplatz mit. Auch hier ist der Sieg das erklärte Ziel und in die Wettkämpfe steckte er viel Energie. „Dominik ist mehr ein Kämpfer als ein Trainierer. Matches sind ihm lieber als normale Trainingseinheiten", erklärt Norbert Altmann.

Außenminister Dominik

Zudem kommt die Tatsache, dass der kontaktfreudige Dominik ein Publikumsspieler ist: „Je mehr Zuseher, desto besser gefällt es meinem Sohn", so Norbert Altmann und Dominik unterstreicht diese Aussage, indem er während dem Training gekonnt mit der Kamera spielt und dabei immer ein Lächeln auf den Lippen parat hat. Am Tennisplatz hat Dominik durch sein freundliches Wesen bereits viele Freunde gewonnen.

Auch abseits vom Tennisplatz zeigt Dominik seine Kontaktfreudigkeit und geht auf die Leute zu. Zum Beispiel, wenn es an der Haustüre der Familie Altmann klingelt. „Dominik ist unser Außenminister und immer der erste, der die Leute begrüßt", schmunzelt Norbert Altmann.

Pflücke den Tag

„Was soll ich mir noch wünschen für die Zukunft?", so der ehemalige Lebensberater. „Wir sind glücklich und was kommt, kommt. Wir sind immer wieder positiv überrascht, was passiert". Anfangs war die Nachricht, einen Sohn mit Down-Syndrom zu haben, ein Schock für die Familie. „Wir haben keine Pränataldiagnostik vornehmen lassen. Unser Kind hätten wir ohnehin nicht wegmachen lassen. Anfangs sieht man nur die negativen Seiten. Das hat sich rasch geändert", blickt er zurück. Norbert Altmann hat gelernt, „den Tag zu pflücken", wie er es selbst beschreibt.

Die positiven Seiten sehen

Verbal kann sich Dominik schwer verständigen, dafür ist seine Körpersprache umso ausdrucksstärker und er verfügt über ein ausgezeichnetes Einfühlungsvermögen. „Dominik nimmt in einem Raum die Gefühle auf, kann sie deuten und die Situation richtig einordnen. Zudem verfügt er über eine gute geografische Merkfähigkeit und kann sich Namen und Gesichter viel besser merken und zuordnen als der Rest der Familie", beschreibt Norbert Altmann Dominiks Stärken.

Heute ist Dominik das Bindeglied der Familie. Er wohnt im Gegensatz zu seinen Geschwistern noch bei seinen Eltern und wird häufig besucht. Jährlich gibt es einen Tennisurlaub, bei dem sich die gesamte Familie vereint. „Es ist einfach schön miteinander", so Norbert Altmann

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