Das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun

von Lebenshilfe Oberösterreich (Kommentare: 0)

Auch ohne Corona hat Barbara Prüwasser als einzige Diplomkrankenschwester im Wohnen Braunau der Lebenshilfe Oberösterreich genug zu tun – in Zeiten von Corona ist ihre Anwesenheit besonders gefragt. Daher hat die 33-jährige Uttendorferin als „Funktionspersonal“ auch Urlaubssperre, was sie neben der zusätzlichen Unterstützung ihrer beiden schulpflichtigen Kinder beim Homeschooling besonders fordert. Kraft gibt ihr dabei das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, das sie seit ihrem Start in der Lebenshilfe im Jahr 2017 begleitet.

Hoher Erklärungsbedarf und strenge Hygienerichtlinien

Gerade am Anfang war die Situation im Wohnhaus Braunau angespannt. Laufend neue Bestimmungen bedeuteten viel organisatorischen Aufwand, die Lebenshilfe-Werkstätten wurden geschlossen und die Bewohner werden seitdem ganztägig im Wohnhaus begleitet. Besonders viel Zeit wurde darin verwendet, den Bewohnern die Situation zu erklären. „Wir haben mit Unterstütze Kommunikation gearbeitet und Bilder eingesetzt, um den Menschen mit Beeinträchtigung die Situation verständlich zu machen. Wir haben auch taubstumme Bewohner und gerade Menschen mit Beeinträchtigung ist ein geregelter Tagesablauf wichtig – der hat sich komplett verändert“, erklärt Barbara Prüwasser. Die Bewohner des Wohnhauses lieben ihre Arbeit in der Lebenshilfe-Werkstätte und haben meist schon voller Vorfreude um 7:30 Uhr auf den Bus gewartet, der sie in die Werkstätte bringt, obwohl er erst um 8:00 Uhr kommt. „So motivierte Leute muss man im Arbeitsleben erst mal finden“, schmunzelt Barbara Prüwasser.

Selbst nach Wochen musste das Personal noch mit den Bewohnern darüber diskutieren, warum sie nicht ins Kaffeehaus gehen können. „Schwierig dabei sei auch, dass man den Bewohnern nicht sagen kann, wann das wieder möglich sein wird“, meint Barbara Prüwasser. „Als dann die Maskenpflicht kam, haben viele erst richtig verstanden, dass Corona eine ernstzunehmende Krankheit ist“, erklärt Barbara Prüwasser. Alle Mitarbeiter der Lebenshilfe tragen nun Masken, ebenso viele der Bewohner, denn gerade Menschen mit Beeinträchtigung haben oft Vorerkrankungen, wodurch sie zur Risikogruppe zählen. Daher gehen alle Mitarbeiter morgens durch eine Schleuse (der Seniorenraum wurde dazu umgebaut), die Temperatur wird gemessen, Schutzkleidung angelegt und Desinfektionsmittel steht bereit. „Auf Hygiene wird bei uns im Wohnhaus jetzt besonders geachtet“, so Barbara Prüwasser.

Kreativität ist gefragt

Um trotz dem vorübergehenden Wegfall ihrer Arbeitsplätze einen geregelten Tagesablauf für die Bewohner zu schaffen, werden sie vermehrt in Aufgaben wie Kochen, Wäschewaschen und Reinigungsarbeiten einbezogen, die sonst für sie nur am Wochenende anfallen. „Außerdem werden vermehrt Spiele gespielt, Zeit im Garten verbracht, der Fitnessraum genutzt, gemeinsam musiziert und das Haus dekoriert. Da ist Kreativität gefragt“, erklärt Barbara Prüwasser. „Es geht ruhig, harmonisch und gesittet zu und man merkt, dass sich die Bewohner im Wohnhaus wohlfühlen“, erzählt sie. Sie selbst verbringt wie üblich viel Zeit mit dem Vorbereiten und Einschachteln der Medikamente, Wechseln von Verbänden, hält Kontakt mit Psychologen, nimmt ihre Verantwortung im medizinischen Bereich akribisch wahr und hat nun auch tagsüber oft Bewohner vor der Bürotür, die von „Schwester Barbara“ ein Heftpflaster oder Ähnliches fordern. „Wir haben derzeit noch keine Bewohner, die an Corona erkrankt sind, und das soll auch so bleiben“, so Barbara Prüwasser.

Selbst Zeiten wie Corona bringen positive Aspekte mit sich

In diesen herausfordernden Zeiten kann Barbara Prüwasser jedoch auch positive Entwicklungen beobachten. „Ein Autist kommt mehr aus sich heraus und äußert konkreter seine Bedürfnisse, sonst öfter unruhige Bewohner genießen die Ruhe im Haus und werden selbst ruhiger“ erklärt sie. Möglich ist das alles nur durch die enge Zusammenarbeit von Mitarbeitern des Wohnhauses und der Werkstätte. „Unsere Mitarbeiter im Wohnbereich könnten die Ganztagesbetreuung so viele Menschen nicht bewerkstelligen, dafür fehlen die notwendigen Ressourcen. Diese werden nun durch die Werkstättenmitarbeiter ergänzt, die uns im Wohnhaus unterstützten“, erklärt Sabine Schwarz, Leiterin des Wohnhauses Braunau. Auch die Mitarbeiter der Werkstätten sind den Bewohnern vertraut und die enge Zusammenarbeit und der gegenseitige enge Austausch begünstigt das gegenseitige Verständnis, da sind sich Sabine Schwarz und Barbara Prüwasser einig. „Die Zusammenarbeit zwischen Wohnen und Werkstätten-Mitarbeitern hat sich verbessert. Es gibt kaum eine Krise, der nicht auch etwas Positives abzugewinnen ist“, so Barbara Prüwasser abschließend.

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