Fähigkeiten sichtbar machen

von Lebenshilfe Oberösterreich (Kommentare: 0)

Die Kunstwerkstätte Gmunden feiert ihr 25jähriges Jubiläum! 8 Klienten arbeiten dort, präsentieren ihre Werke regelmäßig auf Ausstellungen und arbeiten mit Künstlern in der Umgebung zusammen.

Kunst steht hier am Tagesprogramm. Täglich von 8:00 Uhr bis 16:00 Uhr wird Vollgas gegeben und gemalt, und das bereits seit 25 Jahren. Für Ferdinand Reisenbichler, den Leiter der Kunstwerkstätte Gmunden, steht dabei der Mensch im Vordergrund. „Kunst ist nur das Nebenprodukt in der Entwicklung eines Menschen", erklärt er. Bei der Schaffung von Kunstwerken wird die Wahrnehmung geschult, indem auf Details geachtet wird. Gerade diese Beobachtungsgabe sieht

Reisenbichler als Voraussetzung dafür, die Empathie und die Wahrnehmung der gesellschaftlichen Spielregeln zu schärfen und dadurch die Teilhabe an der Gesellschaft zu verbessern.

Von der Seide zum Keilrahmen

Im Jahr 1992 ist die Kunstwerkstätte aus der Seidenmalgruppe heraus entstanden. Nachdem nur mehr wenige Seidenprodukte verkauft wurden, war eine Neuorientierung angesagt. Ein Jahr lang wurde je ein Monat mit einem Künstler aus dem Salzkammergut zusammengearbeitet.

Videokünstler, Schnitzer, Maler und Kulissenbauer teilten ihre Fähigkeiten mit der Gruppe. Am Ende dieser Periode wurde gemeinsam entschieden, auf welches Handwerk man sich in Zukunft konzentrieren wolle. Die Entscheidung fiel dabei auf die freie Malerei.

Durch die jahrelange enge und konstante Zusammenarbeit sind die Teammitglieder heute eine eingeschweißte Gruppe, die sich durch Zusammenhalt und Neugierde auszeichnet. Eine Neuaufnahme von Gruppenmitgliedern wird daher auch nur demokratisch entschieden.

Mittendrin in der Kunstszene

Die Künstler der Kunstwerkstätte sind voll anerkannte und gleichberechtigte Mitglieder im Kunstforum Salzkammergut – ein Präzedenzfall unter Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung. Mit zeitgenössischen Künstlern wird hier auf Augenhöhe kommuniziert und zusammengearbeitet.

Seit nunmehr drei Jahren fungiert die Galerie Tacheles in Gmunden als Dreh- und Angelpunkt von Kunstprojekten der Kunstwerkstätte. Beinahe monatlich beherbergt sie eine Ausstellung, bei der auch internationale Kunstgrößen mitwirken. Als Mittelpunkt des Kunstviertels Traungasse bietet die Galerie Tacheles viele Möglichkeiten der inklusiven Nutzung: Die Räumlichkeiten werden etwa bei öffentlichen Tanzprojekten, Konzerten, Lesungen, Kunstprojekten etc. als Ort der sozialen Vernetzung genutzt.

Kunst als Zukunftsmodell

Die starke Vernetzung im Umfeld soll als Fundament für zukünftige Projekte dienen. Ferdinand Reisenbichler schwebt ein Kunsthaus vor, in dem sich neben mehreren Ateliers auch ein Café befindet. Dieses soll als Begegnungszone dienen und verstärkt Leute dazu einladen, mit der Kunstwerkstätte in Kontakt zu treten.

„Es geht darum, Fähigkeiten sichtbar zu machen, nicht die Behinderung", so Ferdinand Reisenbichler. Dies dürfte der Kunstwerkstätte gelungen sein, denn sie sind anerkannte Künstler, bei denen die Beeinträchtigung schon lange zur Nebensache geworden ist

 

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