Kunstprojekt "Sitzgelegenheiten" in Grein

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Den Anstoß zu diesem engagierten Projekt gab Walter Edtbauer anlässlich des 35jährigen Bestehens der Lebenshilfe Werkstätte in Grein.

Entlang der Donaulände befinden sich 35 Sitzgelegenheiten:

Zum Nachdenken, zum Entspannen, Lachen und Staunen, und um darauf zu sitzen. Wir erwarten uns von einem Sessel, dass er uns das Leben erleichtert. Als Verweilhilfe erspart er uns das aufrechte Stehen. Er kann als eine Metapher für Lebensstil, Vermögen, Macht, aber auch Gesundheit oder Krankheit stehen.
Natürlich gelingt es nicht immer, eine passende Stütze zu finden. Jeder kennt das unangenehme Gefühl, sich in erschöpftem Zustand nicht hinsetzen zu können.

Wir alle merken relativ gut und schnell, ob ein Sessel eine Hilfe darstellt - oder nicht. Wenn bei einem Sessel etwas nicht stimmt, weil er etwa zu wenige Beine hat, eine zu hohe oder zu schräge Sitzfläche, falsch montierte Teile usw. dann fragen wir uns: “Was soll das? Hat der Erbauer schlampig oder gar fahrlässig gehandelt, hat er den Sinn des Objekts nicht verstanden, oder wurde einfach am falschen Platz gespart?“

Ärger und Verwunderung, aber auch Frustration entstehen beim Betrachter und die Ernsthaftigkeit dahinter muss bezweifelt werden.

So geht es auch vielen Beeinträchtigten, wenn sie auf keine oder nur halbherzige Hilfestellungen durch die Gesellschaft treffen.

Noch immer kann für einen Rollstuhlfahrer eine Tür mehr Hindernis als Zugang sein, eine zu steile Rampe die Endstation und ein zu enges WC ein unerfüllbares Versprechen auf Erleichterung darstellen. Auf diese und andere Unzulänglichkeiten wird durch unser Projekt mit kreativen Mitteln aufmerksam gemacht.

Die Lebenshilfe in Grein ist so etwas wie ein guter Sessel. Sie versucht, den Klientinnen und Klienten, je nach Fähigkeiten, Wünschen und Vorlieben, einen passenden Ort zum angenehmen Verweilen zu schaffen. Einen Platz zum Entspannen, zum Austauschen, und auch zum produktiv Sein.

Das Projekt startete im September 2015 und wurde von Willi Katteneder und Anna Maria Brandstätter künstlerisch begleitet. Es wurde den Klientinnen, Klienten und Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter vorgestellt und alle wurden gebeten, Entwürfe, Zeichnungen oder Modelle zu produzieren und sich mit ihren Ideen einzubringen.

In der ersten Projektwoche Ende November 2015 entstanden dann zwanzig Exemplare von diversen Sesseln, die in der Werkstatt der Außengruppe der Lebenshilfe Grein gebaut wurden.

Viele bezogen sich dabei auf das Arbeitsumfeld der Außengruppe: da wurde ein ausrangierter Rasenmäher so umgebaut, dass man nun dem Gras beim Wachsen zuhören kann. Eine Sitzgelegenheit „nimmt Dich auf die Schaufel“, andere Exemplare dienen nun Vögeln und Insekten als Zuhause.

In der zweiten Projektwoche Mitte Jänner 2016 wurde das Augenmerk auf das Thema „Behinderung“ gerichtet. Es entstanden fünfzehn skurrile Objekte. Ein Sessel etwa, dessen Lehne so stark nach vorne gekrümmt ist, dass man sich erst recht nicht darauf setzen kann.

Anschließend wurden einige Sessel in Signalfarben bemalt: Orange und Weiß sollen Aufsehen erregen und die Dringlichkeit der oft unbefriedigenden Situation verdeutlichen.

Für alle Beteiligten war es eine spannende Herausforderung, dieses Projekt zu realisieren. Es stellte ein Angebot dar, die eigene Sicht der Situation kreativ zu reflektieren, und auch neue Arbeitstechniken kennenzulernen.

Jedes dieser Sitzobjekte wurde mit Freude und Stolz entworfen und ausgeführt, und jedes einzelne kann als Teil einer Geschichte gesehen werden, als Metapher oder hoffnungsvolle Vision.

Die Ausstellung ist noch bis Oktober 2016 an der Donaulände Grein zu bestaunen.

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