Mein Leben von 1993 bis heute von Alex Watzinger

von Lebenshilfe Oberösterreich (Kommentare: 0)

Wie viele unserer Beschäftigten freut sich Alex Watzinger schon wieder sehr auf seine Arbeit. Er arbeitet in der Werkstätte Regau und im Rahmen der Integrativen Beschäftigung in der Öffentlichkeitsarbeit und der PC-Gruppe der Landesleitung. Auch er macht im Home-office was möglich ist und stellt weiterhin Beiträge auf die Homepage. Ansonsten bleibt er jeden Tag lange auf, schläft am nächsten Tag länger, liest die Zeitung, bleibt mit seinen Freunden über Facebook in Kontakt, hört Musik und geht viel spazieren. Um textlich fit zu bleiben, hat er einen Bericht über sein Leben geschrieben:

Mein Name ist Alexander Watzinger, aber meine Familie, Freunde, Betreuer und Kollegen nennen mich Alex. Ich bin am 31. Mai 1993 im LKH Vöcklabruck zur Welt gekommen und habe noch zwei Geschwister, eine Schwester und einen Bruder, die sind aber älter als ich. Meine Schwester arbeitet als Krankenschwester im Lebenshilfe-Wohnhaus in Lenzing, mein Bruder als Rechtsanwalt in der Rechtsabteilung der Hofer-Zentrale in Salzburg. Als ich zur Welt gekommen bin, habe ich von dem Ganzen, was mir in meinem Leben noch bevorstehen würde, nichts geahnt. Aufgrund eines Gendefektes, der sich „Apert-Syndrom“ nennt, waren unzählige Operationen und damit verbundene Aufenthalte in der Universitätsklinik in Innsbruck in Tirol von Nöten. In Summe waren es 21 operative Eingriffe und mehr als 100x nach Innsbruck fahren und wieder zurück. Bei den operativen Eingriffen ging es unter anderem darum, den Druck auf das Gehirn zu minimieren, da mein Gehirn aufgrund dieses Gendefektes nicht viel Raum zum wachsen hatte. Hätte man das nicht gemacht, wäre ich entweder tot oder ein Pflegefall und somit nicht der Mensch, der ich heute bin. 1 Jahr, nachdem ich zur Welt gekommen, ging es auch schon mit dem ersten großen, operativen Eingriff los. Dieser fand am 31. Jänner 1994 statt. Es war der erste operative Eingriff, der am Kopf durchgeführt wurde, mit dem Ziel, mehr Raum zu schaffen, damit das Gehirn ausreichend Platz hatte zu wachsen. Er dauerte ungefähr 10 – 11 Stunden und wurde, wie bereits erwähnt, in der Universitätsklinik in Innsbruck durchgeführt. Aufgrund der vielen Fehlbildungen, welche dieser Gendefekt mit sich brachte, blieb es nicht bei dem einen operativen Eingriff. In den kommenden Jahren folgten weitere zwanzig operative Eingriffe, bei denen unter anderem die Finger getrennt wurden, da diese am Anfang zusammengewachsen waren. Ein operativer Eingriff wurde im LKH Vöcklabruck durchgeführt. Neben diesen ganzen operativen Eingriffen habe ich drei Jahre lang (von 1997-2000) einen integrativen Kindergarten in Timelkam (Bezirk Vöcklabruck) besucht. Nach dem Besuch des Kindergartens besuchte ich ebenfalls vier Jahre lang (2000 – 2004) die Volksschule in Seewalchen. Dort hatte ich ein paar nette Schulkollegen, die mich so akzeptierten, wie ich bin. Im Jahr 2004 folgte ein weiterer operativer Eingriff an den Händen, bei dem man erreichen wollte, dass ich Gegenstände besser greifen konnte. Doch leider war dieser Eingriff umsonst, da man den gewünschten Effekt nicht erzielen konnte. Weil ich, wie vor den letzten operativen Eingriffen auch, Angst hatte, haben mir meine Eltern einen Hund der Rasse Golden Retriever gekauft. Nach den vier Jahren in der Volksschule ging es, ebenfalls vier Jahre (2004-2008), in die Hauptschule, ebenfalls in Seewalchen am Attersee. Auch hier hatte ich viele, nette Freunde gefunden, die mich so akzeptierten wie ich bin. Nach den vier Jahren Hauptschule, absolvierte ich eine dreijährige Ausbildung (2008 – 2011) zum Bürokaufmann bei der „Miteinander GmbH“ in Gmunden. Das ist ein Ausbildungsplatz für Menschen mit Beeinträchtigung. Während meiner Ausbildung besuchte ich die Berufsschule für kaufmännische Berufe in Vöcklabruck. Weil diese Ausbildung nur drei Jahre dauerte, mussten meine Eltern einen festen Arbeitsplatz für mich suchen. Weil leider so schnell nichts frei wurde, war ich 4 Monate lang arbeitslos. Am 5. Dezember 2011 konnte ich dann bei der Lebenshilfe Werkstätte in Regau anfangen. Im Februar 2012 musste ich mich wieder nach Innsbruck begeben, da wieder ein operativer Eingriff bevorstand. Leider bekam ich dort meine ersten zwei epileptischen Anfälle. Warum ich sie bekam, weiß leider niemand. 2 Jahre später ging es wieder nach Innsbruck, zum letzten operativen Eingriff. Was dort gemacht wurde, weiß ich leider nicht mehr. Weil der Neurologe, bei dem ich aufgrund meiner ersten beiden epileptischen Anfälle in Behandlung war, meinte man könnte jetzt die Tabletten ausschleichen lassen, hatte ich im Jahr 2015 nach 3 Wochen ohne Tabletten in der Lebenshilfe-Werkstätte einen weiteren epileptischen Anfall bekommen, bei dem ich mit dem Hinterkopf gegen eine Tischkante geknallt bin und für kurze Zeit bewusstlos wurde. Als ich wieder zu mir kam, war die Rettung da. Diese brachte mich ins Krankenhaus nach Vöcklabruck. Abgesehen von den vielen operativen Eingriffen hatte ich auch schöne Sachen erlebt. Im August 2017 bekam ich die Möglichkeit, in der Öffentlichkeitsarbeit der Lebenshilfe-Landesleitung in Vöcklabruck im Rahmen der Intergrativen Beschäftigung bei Frau Mag. Iris Teufl (jetzt Punz) mitzuarbeiten. Dort erledige ich verschiedene Büroaufträge wie kopieren, scannen, Einschulungsunterlagen ausdrucken und einordnen, Teilnahmebestätigungen ausdrucken und stempeln, Beiträge auf die Homepage stellen und vieles mehr. Ich bin sehr glücklich, dort sein zu können, denn meine Chefin Frau Mag. Iris Punz ist sehr nett und hat mich anfangs sogar immer von zuhause abgeholt. Mittlerweile erspare ich ihr diesen Umstand aber und fahre selber mit dem Fahrtendienst jeden Dienstag und Mittwoch in die Landesleitung. Um 13.00 Uhr fahre ich mit dem Stadtbus zurück nach Regau. Im Juni 2018 hatte ich zum ersten Mal an den Special Olympics Sommerspielen in Vöcklabruck in der Disziplin „Boccia“ teilgenommen. Meine Mannschaft erreichte Platz 6. Außerdem war ich auch Mitglied einer inklusiven Filmgruppe, welche im Rahmen der Special Olympics einen Film drehte. Im Jahr 2019 lernte ich meine jetzige Freundin Carmen kennen. Sie arbeitet in der Industriegruppe der Werkstätte Regau. Mit ihr spiele ich immer in der Mittagspause UNO. Sie ist sehr nett und ich bin froh, dass sie bei uns arbeitet. 2020 wurde in der Landesleitung eine Bürogruppe ins Leben gerufen, bei der ich ebenfalls mitarbeite. Aufgrund der derzeitigen Situation ist dies im Moment nicht möglich. Ich hoffe, dass die Situation bald ein Ende hat und ich wieder meiner Arbeit nachgehen kann. Dies war ein kurzer Einblick in mein bisheriges Leben und möchte mich recht herzlich fürs Durchlesen bedanken.

 

 

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