Mein Lehrer für das Wesentliche

von Lebenshilfe Oberösterreich (Kommentare: 0)

Foto: Meissnitzer Band
Sepp und die Meissnitzer Band am Kamplbrunn auf über 2.000 m. Foto: Meissnitzer Band

Christiane Meissnitzer von der Meissnitzer Band hat uns für unser Mitgliedermagazin "Streiflichter" einen Gastbeitrag zur Verfügung gestellt. Sie schreibt über Sepp, einen Menschen mit Beeinträchtigung und darüber, wie sie von seiner direkten und ehrlichen Art die Wichtigen Dinge des Leben lernt.

Sepp wird er gerufen, manche sagen auch Josef zu ihm. Ich nenne ihn einfach nur Sepp.

Sepp ist voller Lebensfreude, seine Augen werden ganz groß und strahlen mächtig, wenn er auf andere Menschen trifft. Mit einem freundlichen, manchmal fast schon aufdringlichen, „Griaß di" gefolgt von „Wia hoaßt du?" oder „Wo kimmst du her?", möchte er seine unbändige Neugierde sofort stillen und seine riesengroße Freude über die Begegnung zum Ausdruck bringen.

Sepp ist sehr direkt und ehrlich und manch einer ist mit seiner offenen Art fast ein bisschen überfordert. Er scheut keine Kommunikation, ganz im Gegenteil, Sepp sucht das Gespräch und den Austausch mit anderen Menschen. Dabei macht er keinen Unterschied, er behandelt alle gleich. Das ist für mich immer wieder aufs Neue sehr, sehr beeindruckend und jedes Mal auch ein Anstoß an mich selbst, jedem Menschen auf Augenhöhe und völlig unvoreingenommen zu begegnen. Nicht schon beim ersten Anblick, vor dem ersten gesprochenen Wort, in eine Schublade stecken, sondern mit Respekt und Gefühl auf die Menschen einlassen - das lernt mir Sepp.

Sepp ist ein sehr guter Lehrer, eigentlich der beste, den ich je hatte - er zeigt mir nämlich die wirklich wichtigen Dinge des Lebens. Sepp lebt seit seinem dritten Lebensjahr mit einer geistigen Beeinträchtigung. Er schätzt sein Leben, er genießt sein Leben, er ist stets aufs Wesentliche fokussiert und stellt die Menschen in den Mittelpunkt. Sepp behandelt alle gleich. Das ist für mich Menschenwürde! Auch Sepp verdient es, ernst genommen zu werden und in Menschenwürde leben zu dürfen

 

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