Menschen mit Beeinträchtigung und deren pflegende Angehörige bei Impfungen nicht vergessen

von Lebenshilfe Oberösterreich (Kommentare: 0)

Anita Prillinger begleitet und unterstützt ihre 27-jährige Tochter zu Hause – beim Impfplan wurde auf pflegende Angehörige wie die 58-Jährige vergessen. (Bildcredit: privat)
Helga Scheidl, Präsidentin der Lebenshilfe Oberösterreich (Bildcredit: Lebenshilfe Oberösterreich

Wenn es in der Corona-Pandemie um Pflegekräfte geht, wird selten über die größte Gruppe – die pflegenden Angehörigen – gesprochen. Bei den Impfungen hat man auf die Gruppe völlig vergessen. Die Lebenshilfe Oberösterreich fordert daher bei der weiteren Reihenfolge diese Gruppe ehestmöglich zu impfen. Im März starten die Impfungen für die Bewohner*innen der vollbetreuten Wohneinrichtungen – die teilbetreuten Bewohner*innen und zu Hause lebenden Beschäftigten in den Werkstätte müssen noch länger auf die Impfung warten.

Anita Prillinger ist Mutter einer 27-jährigen Tochter mit intellektueller Beeinträchtigung, die sie zu Hause begleitet und unterstützt. Sie tut das nun schon seit der Geburt ihrer Tochter mit viel Engagement und Einsatz. Eine große Belastung für die 58-Jährige. Mit der Corona-Pandemie ist eine weitere Erschwernis dazu gekommen: „Ich lebe nun neben der Sorge um meine Tochter auch mit der Angst, selbst an Covid-19 zu erkranken und dann für die Unterstützung auszufallen.“

Selten Ersatz für pflegende Angehörige

Die Impfung ist aktuell der einzige Ausweg aus dieser Notlage. Doch pflegende Angehörige sind im Gegensatz zu 24-Stunden-Pfleger*innen nicht in der ersten Impfphase vorgesehen. „24-Stunden-Pfleger*innen werden von der Organisation, für die sie tätig sind, ersetzt. Ein pflegender Angehöriger kann selten ersetzt werden. Viele Menschen mit Beeinträchtigung werden zu Hause begleitet, weil es nicht genug Plätze in Einrichtungen gibt“, erzählt Prillinger von einer extremen zusätzlichen nervlichen Belastung.

Keine Impfung für teilbetreute Bewohner*innen und zu Hause lebende Beschäftigte

„Anita Prillinger ist nur eine von aktuell vielen verzweifelten pflegenden Angehörigen von Menschen mit Beeinträchtigung“, weiß Lebenshilfe OÖ-Präsidentin Helga Scheidl. Die Lebenshilfe Oberösterreich ist mit knapp 2.000 betreuten Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung in über 70 Einrichtungen der größte Träger der Behindertenarbeit in Oberösterreich. Man freut sich über den bevorstehenden Start der Impfungen für Bewohner*innen der vollbetreuten Wohneinrichtungen und die Möglichkeiten für Mitarbeiter*innen in der Betreuung, sich impfen zu lassen. „Es müssen aber auch ehestmöglich unsere teilbetreuten Bewohner*innen und zu Hause lebende Beschäftigten in unseren Werkstätten sowie deren betreuenden Angehörigen geimpft werden.“ Die betreuenden Angehörigen gehören analog zu den Mitarbeiter*innen der Lebenshilfe Oberösterreich und zu den persönlichen Assistent*innen in den Impfplan aufgenommen.

Enorme psychische Belastungen

Die psychischen Belastungen in diesen Gruppen sind mittlerweile enorm. Die Werkstätten der Lebenshilfe Oberösterreich sind zwar geöffnet. „Um einen Beitrag zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus zu leisten, haben wir aber alle Angehörigen, denen es möglich ist, ersucht, die Begleitung der Beschäftigten zu Hause zu übernehmen“, sagt Präsidentin Scheidl. Viele Beschäftigte waren daher schon sehr lange nicht mehr in der Arbeit in den Werkstätten. „Das ist einerseits eine Belastung für sie selbst und andererseits über diese mittlerweile schon so lange Zeit eine wahnsinnige Herausforderung für ihre begleitenden Angehörigen.“ Viele der von der Lebenshilfe Oberösterreich begleiteten Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung sind außerdem Hochrisikopersonen und da ist die Corona-Impfung der derzeit einzige Lichtpunkt – entsprechend rasch fordert die Lebenshilfe Oberösterreich eine Impfung für diese Gruppen.

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