Spazieren durch die Krise

von Lebenshilfe Oberösterreich (Kommentare: 0)

Da viele Menschen mit Beeinträchtigung aufgrund von Vorerkrankungen der Risikogruppe angehören, sind die Schritte in eine „neue Normalität“ mit besonderer Umsicht zu gehen. Der Ausbau des Werkstätten-Betriebes erfolgt schrittweise, Besuchsbeschränkungen werden gelockert, nicht aufgehoben. Um diese herausfordernde Zeit erfolgreich zu meistern, hat das Wohnen Ried das Spazierengehen für sich entdeckt und schöpft mit der frischen Luft viel Optimismus.

„Anfangs war es schon eine komische Situation“, so die Bewohnerin Irene Berger, die sich als Interessensvertreterin seit Jahren für die Belange ihrer Mitbewohner einsetzt. „Wir durften ja dann auch unsere Angehörigen nicht mehr sehen. Aber wir haben viel Unterstützung von den Lebenshilfe-Mitarbeitern bekommen, auch von denen aus der Werkstätte.“

Es wurde eine neue Tagesstruktur geschaffen, neue Beschäftigungsideen gefunden und Firmenaufträge wurden in den Wohnhäusern erledigt, da die Werkstätten geschlossen waren. Videotelefonie blieb als einziger Kontaktweg zu den Angehörigen und man besann sich auf altbewährte Kommunikationstools und schrieb eine Menge Briefe. Rückantworten wurden täglich begeistert entgegengenommen.

Zusammenhalten und den Weg gemeinsam gehen

„Unser größtes Bestreben war, von Anfang an, jedem einzelnen Bewohner zumindest einmal am Tag einen Spaziergang an der frischen Luft zu ermöglichen“, berichtet Andreas Mitterbuchner, Leiter des Wohnhauses Ried. „Das ist dank des großen Einsatzes der Betreuungspersonen bis auf wenige Ausnahmen gelungen und sicher mit ein Grund dafür, dass wir diese besondere Situation bislang so gut durchstanden haben.“

Er lobt auch das Durchhaltevermögen der dort begleiteten Menschen und den Zusammenhalt der Mitarbeiter – von Betreuungspersonal über Büro- und Reinigungskräften bis hin zu den Zivildienern. Mitarbeiter brachten ihre Hunde von zu Hause mit, um die Spaziergänge abwechslungsreicher zu gestalten. Die Lage des Wohnhauses am Rieder Stadtrand mit angrenzender Naturfläche kam den Spaziergängen sehr entgegen. „Mir wurde mit Begeisterung von Hasen, Rehen oder Fasanen berichtet. Kurze Gespräche mit unterwegs getroffenen Nachbarn und Bekannten schufen weiterhin Sichtbarkeit und die Eingebundenheit in die Gesellschaft“, so Mitterbuchner. „So manche Bewohner werden nach dieser Krise neue Schuhe benötigen, weil die alten durchgelaufen sind. Das Spazierengehen haben wir für uns entdeckt und werden es über Corona hinaus beibehalten“, so Mitterbuchner mit einem Schmunzeln.

Zur Newsübersicht