TOGETHER gegen Grenzen in den Köpfen

von Lebenshilfe Oberösterreich (Kommentare: 0)

Bild: Reschfoto

Georg Jungwirth und sein Vater Eduard spielen zusammen in einer Band. Die Band heißt TOGETHER. 4 Menschen mit und ohne Beeinträchtigung spielen in der Band. Sie wollen zeigen, dass Menschen mit Beeinträchtigung tolle Talente haben.

„Mein Sohn Georg wurde mit Down-Syndrom geboren. Ich habe es erfahren und halt angefangen zu kämpfen“, so Eduard Jungwirth. Als erfahrener Manager setzte er sich schon früh für Inklusion ein. Seine Frau und er erkämpften unter anderem, dass die erste inklusive Volksschulklasse Oberösterreichs realisiert wurde. Georg war unter den ersten Schülern dieser Klasse. Später setzte sich der Doktor der Handelswissenschaften unter anderem als Vorstandsmitglied des Vereins Miteinander in Linz für behinderte Menschen ein. Mit seiner Frau und Helga Scheidl gründete er den Freizeitclub Ried. Als umtriebiger Pensionist hat Eduard Jungwirth einen viel weniger Kämpferischen, sondern mitreißenden und musikalischen Weg gefunden, sich für Inklusion stark zu machen.

Ein gelebtes Beispiel für das Miteinander von allen Menschen

Viele Grenzen existieren wirklich nur in unseren Köpfen – so lautet der Leitspruch der Band TOGEHTER. “Wir zeigen, dass Menschen mit Beeinträchtigung tolle Musiker sind und tolle Talente haben“, so Jungwirth und Gerald Endstrasser ergänzt: „Wir plädieren dafür, Menschen nicht als behindert oder mit besonderen Bedürfnisse zu sehen. Sie sind einfach Mit-Musiker, that’s it!“. Seit 20 Jahren ist die inklusive Jazzband, die sich aus vier Mitgliedern zusammensetzt, eine gelebte Methapher für eine Gesellschaft, die niemanden ausschließt.

Ein Talent erkannt und in ein erfolgreiches Langzeitprojekt verwandelt

„Alles begann mit Georg“, blickt Eduard Jungwirth zurück. Georg Jungwirth nimmt seit seinem vierzehnten Lebensjahr Schlagzeugunterricht an der Landesmusikschule Ried bei Gerald Endstrasser, einem der besten Jazz drummer Österreichs,.

Endstrasser, der Komponist, Schlagwerklehrer und Pädagoge, ist dafür bekannt, wie ein Bildhauer aus seinen Schülern herauszuholen, was er in ihnen sieht. Aus Georgs Talent und Rhythmusgefühl entwickelte sich bei Endstrasser die Idee, etwas daraus zu machen und so entstand im Jahr 1999 die Überlegung, eine Band rund um Georg zu formieren.

Eduard Jungwirth, der als Student bereits Klarinette gespielt hatte, entdeckte in seiner Pension die Leidenschaft zur Musik wieder neu und steckte seine Energie, die er zuvor in Top-Management-Positionen einbrachte, mit Leidenschaft in „die Klarinette“. Als bei Gerald Endstrasser dann die Idee konkret wurde, gemeinsam in einer Band zu spielen, musste er nicht lange überlegen, um sich auf das Abenteuer einzulassen. „Ich brauche die Herausforderung. Alt bin ich erst dann, wenn ich keine Lust auf Neues mehr habe“, meint Jungwirth.

Ein Konglomerat an Stärken

Vier Musiker zählt die Band TOGETHER: Neben Bandleader und Keyborder Gerald Endstrasser, Klarinettist Eduard Jungwirth und seinem Sohn und Schlagwerker Georg Jungwirth spielt Andreas Pointecker auf den Bongos. Dabei bringt jeder der Musiker seine Stärken ein und das prägt den Erfolg der Band.

Der sehbeeinträchtigte Andreas Pointecker hält auf seinen Bongos stets exakt und einfühlsam den Rhythmus und ist somit der rhythmische Anker des Ensembles.

Gerald Endstrasser versteht es, alle Bandmitglieder so zu motivieren, dass sie sich weiterentwickeln und die Stärken in die Melodien - vorwiegend aus „557 Jazz Standards“ - einzubauen. Die hohe Sensibilität von Endstrasser, positiv Kritik zu üben, aber nie zu verletzen, hilft der Band, sich weiterzuentwickeln,

Schlagzeuger Georg Jungwirth ist der eigentliche Chef der Band. „Wir spielen zu seinen Rhythmen und nicht umgekehrt“, so Endstrasser. „Georg hat das Talent, völlig frei zu spielen. Er spürt die Musik, er hat das Feeling: bei einem Gig beim „INNTOENE FESTIVAL“, einem der wichtigsten Jazzfestivals Österreichs, spielte er die Schlagzeug – Untermalung für einen Rapper mit der Auflage, keine Rhythmen zu spielen. Neue Schlagfolgen spielt er oft auch, ohne sie gelernt zu haben – einfach, weil er sie irgendwo gehört hat und nachspielt.

Eduard Jungwirth ist der Einsatz für die Inklusion besonders wichtig. Seine Managementerfahrung und sein Engagement trafen sich mit dem Ausnahmetalent Gerald Endstrasser. Darüber hinaus verbindet ihn die Liebe zu seinem Sohn, die der Band eine besondere Tiefe verleiht.

Musik als universelle Sprache

Die Musik der Band TOGETHER hält nicht nur die Musiker zusammen, sondern fungiert als Sprachrohr für ein übergeordnetes Ziel. „TOGETHER ist wahrscheinlich die einzige Musikformation in Österreich, die in dieser Form aufgebaut ist. Wir zeigen, zu welchen Leistungen Menschen mit Beeinträchtigung fähig sind und welch wertvollen Beitrag sie in die Gesellschaft einbringen“, so Eduard Jungwirth.

Dabei war es dem Ensemble immer wichtig, wie eine normale Band behandelt zu werden und in der Konzertwelt Fuß zu fassen. „Wir haben nicht nur bei den Halleiner Festwochen und zweimal beim Inntöne Jazzfestival gespielt, sondern auch beim ersten inklusiven Soundfestival der Uni Wien. Wir haben im Linzer Musiktheater, im Brucknerhaus gespielt. Diese Normalität, dort zu spielen, war mein Begehr“, erklärt Gerald Endstrasser. Die Jazzband kann auf rund 200 öffentliche Gigs zurückblicken. Eines ist TOGETHER sehr wichtig: Vom Start der Formation TOGETHER an war eines klar: die Musiker brauchen und wollen kein Mitleid. TOGETHER ist nichts für die Tränendrüsen der Zuhörer und spenden sollen sie auch nicht, sondern die TOGETHER Gigs anhören und die TOGETHER CDs kaufen, weil ihnen die Musik gefällt.

Als bleibendes musikalisches Statement hat die Band TOGETHER bisher bereits sechs CDs publiziert Die bisher letzte CD trägt den Titel „Vogl Perspektive“ und ist in Zusammenarbeit mit dem Salzburger Kabarettisten Ingo Vogl entstanden. Österreichische Spitzenmusiker, die als Special Guests mit TOGETHER spielen, zeigen, dass es keine Kluft zwischen ihnen und den TOGETHER-Bandmitgliedern gibt.

Qualitätszeit für Vater und Sohn

„Georg geht ohne vorher mit mir noch 10 Songs zu spielen nicht schlafen“, schmunzelt Eduard Jungwirth, „wir brauchen die Musik, sind so etwas wie süchtig geworden“.

Dazu steht in Georg´s Wohnzimmer ein voll instrumentiertes Schlagzeug. Vater und Sohn genießen die gemeinsam verbrachte Zeit und die Leidenschaft, die sie verbindet. „Wir stehen uns sehr nahe. Meine Frau hatte 2015 eine schwere Herzoperation und nach der Operation eine wochenlange Reha, da sind Georg und ich noch weiter zusammengewachsen“, so Eduard Jungwirth. Und wenn vor einem Auftritt jemand Georg fragt, ob er nervös ist, so lautet die Antwort „ich nicht, aber der Papa“. Was sich Georg Jungwirth für die Zukunft wünscht? „Dass es mit TOGETHER so gut weiter geht“!

TOGETHER Kontaktdaten

Gerald Endstrasser Mobiltelefon: 0043/650 4815369 www.together-jazz.at

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