Schritt für Schritt durch den Tag mit Alexandra Glück

Alexandra Glück ist 27 Jahre alt und Autistin. Seit April 2010 lebt sie im Intensiv betreuten Wohnen der Lebenshilfe in Bad Ischl und wird tagsüber in Form einer 1:1 Betreuung in der Werkstätte in Bad Ischl begleitet. Seitdem hat sie viel dazugelernt und es geht stetig bergauf.

Gemeinsam mit ihrer Betreuerin Anna Wallner geht Alexandra durch die Werkstätte Bad Ischl. Sie sammelt das Geschirr des Tages ein und räumt es anschließend in die Geschirrspülmaschine. Das ist eine ihrer Aufgaben, die sie Schritt für Schritt gelernt hat, und die sie jeden Tag erledigt. Immer wieder hält sie inne. „Alexandra, was ist deine Aufgabe?“, erinnert sie Anna Wallner erneut mit geduldiger Stimme. Sie weiß, dass Alexandra genaue und kurze Anweisungen benötigt. Dann macht Alexandra weiter und hakt den letzten Punkt ihres Tagesplans damit ab.

Der Tagesplan hängt in Alexandras Zimmer. Jeden Morgen wird er mit bebilderten Tätigkeiten versehen und durchgesprochen, denn ein voraussehbarer, strukturierter Tagesablauf ist besonders wichtig für die junge Frau. Mototherapie, Lernspiele, ein Spaziergang und dazwischen Rückzugsphasen im Zimmer werden aufgeklebt. Auch in der Industriegruppe arbeitet Alexandra Glück mit, wo sie besonders gerne Feuerteufel anfertigt. Mittlerweile ist sie sehr gerne in Gesellschaf und es ist ihr wichtig, Teil einer Gemeinschaft zu sein.

Das war allerdings nicht immer so. Als sie in die Einrichtungen der Lebenshilfe in Bad Ischl wechselte, war die Situation sehr schwierig. Alexandra legte ein stark selbstverletzendes Verhalten an den Tag, sich in größeren Gruppen aufzuhalten war für sie undenkbar. Jetzt ist sie schon lange stabil und hat viel dazugelernt. Der Weg dorthin war nur möglich, indem sie sich die neuen Lernpunkte Schritt für Schritt gemeinsam mit ihren Betreuern erarbeitet. Mit viel Geduld seitens der Betreuer wurde täglich trainiert und mit den Jahren lernte Alexandra sogar, selbständig ohne Begleitung kurze Wege durchs Haus zurückzulegen. Alexandra hat gelernt, sich an Regeln anzupassen und es ist ihr mittlerweile problemlos möglich, gemeinsam einzukaufen, ins Café zu gehen, Ausflüge zu machen oder an Familienfeiern teilzunehmen. Sogar ein Urlaub in Italien wurde 2016 gemeinsam mit ihrem Vater unternommen.

Seit dem Umzug zurück nach Oberösterreich hat sich Alexandras Leben auch in anderer Hinsicht zum Guten verändert. Sie wohnt näher an ihrer Familie, besucht ihren Vater monatlich zu Hause in Ottensheim und wird von ihm und Familienangehörigen regelmäßig in Bad Ischl besucht. Selbst als 2013 plötzlich ihre Mutter verstarb, konnte sie von ihren Betreuern sehr gut aufgefangen werden. „Die gezielte Förderung, die kompetente Betreuung im Wohnhaus und der Werkstatt sowie die begleitende Moto- und Hippo-Therapie haben viel zu Alexandras Lebensqualität beigetragen“, ist Jürgen Glück, der Vater von Alexandra Glück, überzeugt. „Sie macht in allen Lebensbereichen beträchtliche Fortschritte und ein Ende ist noch gar nicht abzusehen“, freut er sich.