Was versteht man unter Integrativer Beschäftigung?

Integrative Beschäftigung bezeichnet das Tätig-Werden von Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung außerhalb der Einrichtungen von sozialen Dienstleistungsunternehmen, also zB außerhalb von Werkstätten der Lebenshilfe OÖ. Sie ist eine Form der Fähigkeitsorientierten Aktivität, einer Leistung des OÖ Chancengleichheitsgesetzes.

Wer kann Beschäftigungsgeber sein?

Kooperationspartner der Lebenshilfe OÖ bei der Integrativen Beschäftigung können

• Unternehmen
• Vereine
• öffentliche Einrichtungen
• und Privatpersonen sein.

Warum Integrative Beschäftigung?

Es ist demzufolge ein oft gehegter Wunsch von Menschen mit Beeinträchtigung, einen Arbeitsplatz zu haben wie andere auch, der sich jedoch im Rahmen regulärer Dienstverhältnisse am Arbeitsmarkt nicht immer erfüllen lässt. Die Integrative Beschäftigung kommt den Gegebenheiten eines echten Dienstverhältnisses sehr nahe.

Einen Arbeitsplatz zu haben, an dem man seine Fähigkeiten sinnvoll zum Einsatz bringen kann, in eine Struktur eingebunden ist, wo man dazugehört und bekannte Gesichter sieht, wo man in Kontakt treten kann und das Gefühl vermittelt bekommt, gebraucht zu werden, weiß jeder Mensch zu schätzen.

Was muss ein Betrieb tun, um Partner für Integrative Beschäftigung zu werden?

Jeder kann Kooperationspartner werden - es gibt keine besonderen Auflagen zu beachten. Nehmen Sie einfach Kontakt mit uns auf, um die für Sie passende Form der Kooperation zu finden.

Wer ist Ansprechpartner für Integrative Beschäftigung in der Lebenshilfe OÖ?

Ansprechpartner seitens der Lebenshilfe OÖ ist Nicole Jahn:

Dipl. Päd. Nicole Jahn, BA
Bereichsleitung Integrative Beschäftigung
bl-integrativ@ooe.lebenshilfe.org
Telefon: 0664 / 88 44 95 73

Welche Leistungen übernimmt die Lebenshilfe?

Der Fahrtendienst zum und vom Arbeitsplatz der Integrativen Beschäftigung wird durch die Lebenshilfe OÖ organisiert.
Mitarbeiter der Lebenshilfe OÖ übernehmen die fachliche wie soziale Begleitung. Darüber hinaus steht die Lebenshilfe OÖ für jegliche aufkommenden Fragen oder Problemen als Ansprechpartner zur Verfügung.

Vertragliche Rahmenbedingungen 

Als Basis für die Beschäftigung dient ein Kooperationsvertrag, in dem individuelle Vereinbarungen hinsichtlich des Tätigkeitsfeldes, der Beschäftigungszeiten, der Leistung und sämtlicher Haftungsfragen festgehalten sind.

Wie ist die Haftung geregelt? 

Für die im Rahmen der Integrativen Beschäftigung tätigen Personen wird seitens der Einrichtung eine Unfall- und Haftpflichtversicherung abgeschlossen. Es gelten die zivilrechtlichen Schadensersatzbestimmungen.

Besteht ein Dienstverhältnis? 

Die Integrative Beschäftigung ist kein Dienstverhältnis, dem Beschäftigungsgeber entstehen daher keine Lohnnebenkosten. Die Beschäftigungsnehmer sind selbst sozialversichert, eine Haftpflichtversicherung besteht über die Lebenshilfe OÖ.

Was ist die Gesetzesgrundlage? 

Die gesetzliche Grundlage bietet das oberösterreichische Chancengleichheitsgesetz.

Die Integrative Beschäftigung fällt arbeitsrechtlich in den Bereich der Arbeitskräfteüberlassung. Beschäftigungsgeber unterliegen den Bestimmungen des Arbeitnehmerschutzgesetztes (ASchG) und sind somit verpflichtet, die Beschäftigungsnehmer und deren Unterstützungspersonen in allen fachlichen und arbeitnehmerschutzrechtlichen Belangen zu unterweisen. Das Unternehmen trifft keine besonderen Fürsorgepflichten gegenüber der Beschäftigten mit Beeinträchtigung, die über die allgemeinen Betriebsführungspflichten und Arbeitnehmerschutzbestimmungen hinausgehen.

Wie ist der Ablauf beim Zustandekommen einer Kooperation von Integrativer Beschäftigung?

Grundsätzlich können zwei Auslöser für den Start einer Integrativen Beschäftigung bestimmt werden: Ein Klient äußert den Wunsch, einer Beschäftigung außerhalb der Einrichtung nachzugehen, oder ein potentieller Beschäftigungsgeber meldet sich und zeigt Interesse an einer Kooperation.

Nach der Kontaktaufnahme erfolgen ein Erstgespräch sowie anschließend eine Arbeitsplatzbesichtigung. In der weiteren Folge kommt es zu Schnupperterminen mit interessierten Klienten, das gemeinsam mit einer Begleitperson der Lebenshilfe OÖ stattfindet. Das Schnuppern kann verschiedenartig und flexibel gestaltet sein.

Bevor ein Beschäftigungsplatz fix organisiert wird, braucht es die Möglichkeit einer Probephase. Die Dauer der Probephase kann individuell vereinbart werden, ein Monat gilt jedoch als Minimum. Um eine unbefristete Kooperation zu starten, braucht es eine schriftliche Kooperationsvereinbarung. Sobald diese feststeht, zieht sich die Begleitperson nach Möglichkeit zurück, bleibt jedoch Ansprechpartner bei Unklarheiten, Problemen oder organisatorischen Veränderungen.

Welche Tätigkeiten eignen sich für Integrative Beschäftigung?

Viele einfache Arbeiten und Hilfsdienste können übernommen werden. Die möglichen Aufgaben sind so mannigfaltig wie die Interessen & Fähigkeiten der Klienten der Lebenshilfe OÖ.
Die übernommenen Tätigkeiten können Prozesse beschleunigen und andere Mitarbeiter entlasten, niemals aber ersetzen.

Gibt es eine Mindeststundenanzahl? 

Die IB ist anpassungsfähig und richtet sich nach den Bedürfnissen aller beteiligten Parteien. Ein Beschäftigungsausmaß von mindestens einem Halbtag pro Woche ist gewünscht und darf 37 Wochenstunden nicht übersteigen.

Welche Kosten treten für das Unternehmen bzw. für Privatpersonen auf?

Sobald eine Leistung entsteht, die man als Arbeitsleistung definieren kann, soll diese auch in Form einer geringen monetären Gegenleistung abgegolten werden. Die Höhe der Bezahlung orientiert sich an der tatsächlich erbrachten Leistung und kann

• Pauschal
• nach Stunden oder
• nach Stückzahl verrechnet werden.

Die Rechnungslegung erfolgt von der jeweiligen Ausgangs-Werkstätte direkt an den Beschäftigungsgeber. Der vereinbarte Betrag versteht sich inklusive jeglicher Steuern.

Was wenn die Kooperation nicht funktioniert?

Gestartet wird mit einem Probemonat, das allen Beteiligten zur fundierten Entscheidungsfindung dient. Auch danach kann die Kooperation von beiden Seiten jederzeit aufgelöst werden – aus welchen Gründen auch immer.

Gib es Ausschlussgründe für Integrative Beschäftigung?

Verwerfliche, untugendhafte sowie psychisch oder physisch gefährdende Betätigungen sind stellen Ausschlussgründe für eine Integrative Beschäftigung dar. Weiters sind ein gutes Betriebsklima sowie ein respektvoller Umgang mit Mitarbeitern Voraussetzungen.

Vorteile für Unternehmer und sonstige Beschäftigungsgeber

Indem ein Unternehmen, ein Verein oder eine Organisation Menschen mit Beeinträchtigung die Möglichkeit zur Mitarbeit und Teilhabe bietet, zeigt es soziale und gesellschaftliche Verantwortung. Diese fällt auf und spricht zusätzliche Kundegruppen an.

Die Erfahrung zeigt, dass Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung viele Soft Skills haben, die das Verhalten und die Einstellung von Menschen positiv beeinflussen und wesentlich zu einem guten Arbeitsklima beitragen. Ikea-Mitarbeiter haben den positiven Einfluss von Integrativer Beschäftigung auf die Unternehmenskultur passend mit nachfolgender Aussage zusammengefasst: „Seitdem die Leute von der Lebenshilfe da sind, lachen wir öfter miteinander. Wir sehen wieder, wie wichtig es ist, dass uns neben der Arbeit auch noch etwas anderes miteinander verbindet, etwas, das eigentlich wichtiger ist. So fällt die Arbeit leichter.“

Vorteile für die Beschäftigungsnehmer (Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung)

Für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung bietet die Integrative Beschäftigung die Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen und ihre persönlichen Interessen und Fähigkeiten zum Einsatz zu bringen. Sehr wertvoll für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung ist die Tatsache, dass sie an Orten arbeiten können, wo auch Menschen ohne Beeinträchtigung arbeiten. 

In unserer Gesellschaft definiert sich der Selbstwert stark über die eigene Arbeitsleistung. Oft ermöglicht erst die Teilhabe am Arbeitsleben die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und die Chance, dieses mitzugestalten.

Vorteile von Integrativer Beschäftigung für die Gesellschaft

Durch die Integrative Beschäftigung entstehen wertvolle Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Beeinträchtigung. Sie ist ein Ausgangspunkt um aufzuzeigen, dass Menschen mit Beeinträchtigung eine Bereicherung für die Gesellschaft darstellen und in jedem Menschen besondere Eigenschaften, Begabungen und Fähigkeiten innewohnen, die für die Gesellschaft ein Gewinn sind.

Was ist notwendig, damit Integrative Beschäftigung erfolgreich gelingt?

Die Mentalität des Beschäftigungsgebers ist entscheidend für eine funktionierende Form der Integrativen Beschäftigung. Das Angebot der Integrativen Beschäftigung stellt für Beschäftigungsgeber kein Geschäftsmodell dar. Obgleich die zu begleichende geringe monetäre Gegenleistung der Arbeit von Menschen mit Beeinträchtigung für eine Kooperation einen Anreiz bieten kann, muss der Gedanke, dass Menschen mit Beeinträchtigung einen Zugang zum Arbeitsleben haben sollen, vorhanden sein. Finanzielle Interessen sind gut und verständlich, sollten aber nicht im Vordergrund stehen und nicht als Hauptmotiv für eine Kooperation dienen.