Zwei Teilnehmer mehr im Straßenverkehr

von Lebenshilfe Oberösterreich (Kommentare: 0)

Die Werkstätte St. Florian hat den Beschäftigten angeboten, den Führerschein zu machen. Andrea Gahleitner und Alexander Höhl haben viel für die Führerscheinprüfung gelernt und dürfen jetzt mit dem Mopedauto fahren. Dadurch haben sie ein Stückchen Freiheit dazugewonnen.

„Ich konnte es gar nicht glauben, als es geheißen hat, in der Werkstätte kann man den Führerschein machen. Dass hab‘ ich gar nicht gewusst, dass ich den machen kann“, schwärmt Andrea Gahleitner. Sie ist noch immer ganz stolz und aufgeregt darüber, eine Führerscheinbesitzerin der Klasse AM (Mopedauto) zu sein. Die Idee, Unterstützung beim Führerscheinkurs anzubieten, ist in der Werkstätte entstanden. Man machte sich Gedanken darüber, wie Produkte für den FlorianerLaden von den kooperierenden Bauern abgeholt werden könnten, um die Zulieferer zu entlasten. So wurde das Angebot ausgeschrieben und stieß auf großen Anklang. Ärztliche Untersuchungen stellten eine große Hürde bei der Zulassung zur Führerscheinprüfung dar und als der tatsächliche Schritt der Anmeldung anstand, blieben noch zwei mutige Beschäftigte, die sich auf das Abenteuer Führerschein einließen.

Abenteuer Führerschein mit vollster Unterstützung

Andrea Gahleitner und Alexander Höhl, die sich an die Herausforderung Führerschein wagten, stand nicht nur Michael Zintl-Reburg zur Seite, der die beiden als Mitarbeiter der Werkstätte unterstützte, sondern auch eine sehr kooperative Fahrschule. Fairdrive aus Leonding ist es ein Anliegen, alle Menschen beim Erwerb des Führerscheins zu unterstützen und so bietet die Fahrschule spezielle Unterstützung auch für Menschen mit Lernschwierigkeiten, mit körperlichen Einschränkungen oder für Menschen mit Hörschwierigkeiten an. „Ich habe lange überlegt, ob ich es mir zutrauen soll. Meine Eltern waren zuerst überrascht, haben mich dann aber unterstützt und besonders meine Schwester hat mir gut zugeredet“, erklärt Andrea Gahleitner.

Theorieabende und die ersten Kilometer auf der Straße

Lange Tage warteten auf die Führerscheinanwärter, denn bevor es endlich ab auf die Straße ging, galt es zuerst die Theorieeinheiten zu absolvieren. Nach dem Arbeitstag in der Außengruppe der Lebenshilfe-Werkstätte bzw. im FlorianerLaden saßen die beiden Beschäftigten der Lebenshilfe gemeinsam mit anderen Kurzsteilnehmer in den Vorträgen der Fahrschule. Michael Zintl-Reburg begleitete sie dabei.

Danach ging’s an die Praxis: „Da hab ich ganz schön geschaut, als wir die Fahrstunden in einem normalen Auto mit Automatikschaltung machen mussten“, blickt Andrea Gahleitner zurück. Der geduldige Fahrlehrer nahm sich viel Zeit und war auch sehr zufrieden mit den Leistungen der beiden. „Wir waren darauf eingestellt, zusätzlich Fahrpraxisstunden zukaufen zu müssen, aber das war dann gar nicht notwendig“, ist Michael Zintl-Reburg stolz auf die beiden. Wie bei vielen anderen Führerscheinneulingen verlangte das Einparken nach etwas Übung und Andrea streifte dabei auch einmal den Randstein, was sie sehr erschreckte, aber schon bald hatten die beiden Beschäftigten der Werkstätte St. Florian in der Fahrpraxis den Dreh raus.

Mit Vollgas ans Büffeln

Während Andrea Gahleitner vorwiegend über die App auf ihrem Handy die Prüfungsfragen durchging und im FlorianerLaden jede freie Minute ohne Kundschaft nutzte, um eifrig zu lernen, lernte Alexander Höhl vorwiegend zu Hause, wo ihn seine Eltern beim Lernen unterstützen. „Andrea und Alexander haben sich ganz schön dahintergeklemmt und von früh bis spät gelernt“, berichtet Michael Zintl-Reberg.

Mit intensiven Vorbereitungen versuchten die beiden, der Nervosität Herr zu werden und lernten sogar im Urlaub. „Wir waren mit Michael im Ferienaufenthalt und haben auch da gemeinsam gelernt“, erklärt Andrea. Zum Beispiel druckte Michael Zintl-Reburg die Verkehrszeichen aus und laminierte sie, um zusätzliche Lernunterlagen zu schaffen. „Natürlich schaut man, dass man die Führerscheinanwärter ein bisschen unterstützt. Aber ich war da sehr im Hintergrund. Das e-Learning haben die beiden komplett selbstständig gemacht“, betont Michael Zintl-Reberg voll des Lobes.

Glücksmomente beim Anblick der rosaroten Scheckkarte

Wie auch bei den Fahrstunden wurde die Fahrprüfung in einem „normalen Auto“ mit Automatikschaltung abgelegt. Alexander Höhl, der zusätzlich auch zum Mopedführerschein antrat, hatte sich gleich zweimal seinem Lampenfieber zu stellen und war dabei sehr erfolgreich. Für Andrea Gahleitner, die auf den Führerschein mit einem Gefährt auf zwei Rädern verzichtete, war es umso bitterer, als sie beim ersten Versuch durch die Prüfung des Mopedautoführerscheins fiel. „Da hab ich mich schon sehr Leid gesehen. Aber ich hab es nochmal gewagt und dann geschafft“, berichtet Andrea Gahleitner über ihre Selbstüberwindung.

Direkt nach der Prüfung erhielten die beiden einen DIN A4-Zettel, der das positive Ergebnis der Prüfung bescheinigte. Erst mit der Post kam dann die rosarote Scheckkarte. „Mir ging es so gut, als ich den Führerschein in Händen hielt. Da hat man gleich ein ganz anderes Gefühl“, berichtet Andrea Gahleitner stolz. Die erwartungsvollen Kollegen freuten sich mit Andrea und Alexander und Andrea organisierte auch eine kleine Führerscheinfeier, zu der sie ihre Kollegen einlud. Alexander stieß mit seiner Familie auf den Führerschein an.

Ein Stückchen Freiheit als Belohnung

Zum Lohn für den Einsatz winkt den Führerscheinneulingen nun ein Stückchen Freiheit, denn sie sind nicht mehr auf andere angewiesen, um von A nach B zu gelangen. „Ich bin viel mit dem Moped unterwegs, zur Post, zu Freunden und vielem mehr“, so Alexander Höhl. Ein Mopedauto besitzen beide nicht, denn diese sind nicht gerade billig. Um nicht aus der Übung zu kommen und das ursprüngliche Ziel, Besorgungen für den FlorianerLaden erledigen zu können, erfüllen zu können, hoffen die beiden auf den Kauf eines Microcars mit Ladefläche für die Lebenshilfe-Werkstätte. Andrea Gahleitner träumt davon, auch privat bald Autobesitzerin zu werden. „Dann werde ich zum Arzt, zum Einkaufen und ins Kaffeehaus fahren“, schwärmt sie. Auch an ihre Kollegen denkt sie dabei: „Wenn ich dann ein Auto habe, dürfen auch die Kollegen mitfahren die aufgrund ärztlicher Gutachten selbst nicht den Führerschein machen durften“, erklärt sie großzügig.

Infos:

Andrea Gahleitner ist 36 Jahre alt, wohnt in Kematen an der Krems; Alexander Höhl ist 26 Jahre alt und wohnt in Bad Hall. Beide sind schon lange in der Lebenshilfe-Werkstätte St. Florian beschäftigt: Andrea Gahleitner im FlorianerLaden und Alexander Höhl in der Außengruppe.

Michael Zintl-Reburg ist bereits seit mehr als 20 Jahren Mitarbeiter der Lebenshilfe-Werkstätte St. Florian und leitet die Außengruppe der Werkstätte.

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